Digitale Weinprobe

28.01.2021 // Marketing-Club Bergisch Land // Digital

Auf der Suche nach dem Restzuckerschwänzchen

Wenn wegen der Pandemie Restaurants, Cafés und Kneipen auf unbestimmte Zeit geschlossen sind und man somit den Weinempfehlungen des Wirts seines Vertrauens nicht folgen kann, sollte man zumindest wissen, welchen Wein man zu Hause trinken sollte. Da kam die erste Veranstaltung des Marketing-Clubs Bergisch Land im neuen Jahr gerade recht: eine – wenn auch virtuelle – Weinprobe, begleitet von Weinhändler und Winzerin!

Mehr als 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich am 28. Januar vor ihren Computern versammelt, und Club-Präsident Patrick Hahne freute sich über zumindest diese Möglichkeit des Beisammenseins, als er die Videokonferenz eröffnete. Als ungewöhnlich befand auch Vorstandsmitglied Fabian Kehrenberg, der die Moderation übernommen hatte, diesen Abend, und dies nicht nur, weil er zugegebenermaßen über keinerlei Weinerfahrung verfüge. Ob denn auch der Wein in einer Krise stecke?

Nein, widersprach ihm Janus Fenske entschieden: „Wein ist krisensicher.“ Seit drei Jahren arbeitet der junge Mann mit im Laden seines Vaters Christian und macht zurzeit seine Ausbildung als Sommelier in Köln, im Mai stehen die Prüfungen an.

Seit mehr als 25 Jahren existiert „Weine & Feinkost - Fenske“ in Wuppertal, das Geschäft findet sich auf der Friedrich-Engels-Allee unweit des Wicküler Parks. Von hier stammten auch die drei Probenweine, die die Teilnehmer entweder dort abgeholt oder per Post ins Haus bekommen hatten.

Natürlich hat sich für das kleine Familienunternehmen durch die Maßnahmen gegen das Corona-Virus vieles verändert. In normalen Zeiten bildete sich der Umsatz zu je einem Drittel aus Laden- und Onlinegeschäft und Gastronomie. Letzteres ist durch den Lockdown komplett weggebrochen, „und das ist auch nicht zu kompensieren“, wie Fenske bedauerte. Dabei gilt sein Mitgefühl auch den Inhabern: „Man sieht dort sehr viel Leid.“ Ihm selbst fehlt vor allem der persönliche Umgang mit den Kunden, die Leidenschaft für und die Emotionen von Wein zu teilen. Sicher gäbe es die Möglichkeiten der Weinproben im Netz, und davon hätte die Familie auch schon einige veranstaltet, aber dies sei nun mal nicht das gleiche. Der Fokus aber liege in diesen Zeiten vor allem auf dem Online-Geschäft und der Werbung in den sozialen Medien, wie die Familie schon im April letzten Jahres beschlossen hatte. Den Instagram-Kanal zum Beispiel betreut Schwester Vega, die mit vielen Infos und unterhaltsamen Filmchen die Zahl der Follower verzehnfacht hat.

„Das Menschliche geht verloren“

Und doch sei die Konzentration auf das Onlinegeschäft eine enorme Umstellung, mit zahlreichen Lieferungen pro Tag, auch wenn man als kleines Unternehmen flexibel reagieren kann. „Man muss sich schnell auf den Mehraufwand einstellen“, und doch sei ein Service wie im Laden nicht zu leisten: „Das Menschliche geht verloren.“ Insgesamt sei die Situation für die Einzelhändler existenzbedrohend, und auch vielen Winzern, die ihre Weine an die Gastronomie lieferten, gehe es sehr schlecht. Bei Fenske ist man froh, auf einen treuen Kundenstamm zählen zu können.

Aus ihrem Weinkeller schaltete sich Jungwinzerin Julia Schittler zu. Sie führt das vor fünf Jahren aus den zwei Familien vereinigte Weingut Schittler Becker in Zornheim südlich von Mainz. Von ihr stammen auch die drei Proben, deren Trauben unter anderen auf den 55 Hektar wachsen: ein Blanc de Noir, ein Grauburgunder und ein Riesling. Begonnen wurde mit dem „Weißen aus schwarzen“, einem Weißwein aus roten Trauben, in diesem Fall aus der Rebsorte Merlot. Dann der von vielen geliebte und im Sommer gern genossene Grauburgunder und zum Schluss mit Deutschlands Edelrebsorte einen wirklich ausgezeichneten rheinhessischen Riesling. Zwischendurch gab es Diskussion und Fragen, und besonders die bestens aufgelegte Julia Schittler („Wein muss eine Geschichte haben“) erzählte einige Anekdoten und beantwortete Fragen zu Kelterei und Restzuckergehalt, zu Biowein, den Auswirkungen des Klimawandels, dem Für und Wider von Schraub- und Korkverschlüssen, dem richtigen Holz für Fässer, dem Marketing und dem Design von Etiketten und Flaschen und dem Verhältnis zu Händlern und Verkäufern. Zwischendurch mahnte Club-Mitglied und Weinkenner Andreas Martin, auf den Kauf von Weinen im Supermarkt zu verzichten.

Am Ende einer langen Weinprobe musste nicht nur Fabian Kehrenberg zugeben, vieles gelernt und mitgenommen zu haben.

Und auch Patrick Hahne dankte Julia Schittler und Janus Fenske für ihre Vorträge, die vor allem eines zeigten: Die beiden verfolgen ihre Professionen mit viel Herzblut. Es war ein rundum gelungener Abend, der ein wenig Licht brachte in die dunklen Zeiten dieses pandemischen Winters.

Referent(en)

Janus Fenske: Weine und Feinkost Christian Fenske

Julia Schittler: Winzerin