Remscheider Bräu im Unternehmerdschungel

 

Moderne Brauräume in ansprechender Gastronomie

Der Clubabend fand am 22. Juni 2017 in den modernen Räumlichkeiten von Remscheid Bräu im mk | Hotel Remscheid statt. Dort berichteten die beiden Jungunternehmer Marc Rüger und Baran Dogan leidenschaftlich ihren interessierten Gästen aus dem Marketing Club über ihre ersten abenteuerlichen Jahre als Gründer und Geschäftsführer der Brauerei und des zugehörigen mk Hotels. Die Mitglieder des Marketing Clubs konnten sich bei hochsommerlichen Temperaturen an den vor Ort produzierten leckeren Bieren erfrischen.

 

Die Garage: Anstoß zum Unternehmerdschungel

Die vor allem auch aus Marketing-Gesichtspunkten spannende Geschichte von Remscheid Bräu beginnt, wie auch andere Gründergeschichten, in einer Garage. Genau in einer solchen haben die beiden Gründer ihre ersten Schritte ins Unternehmertum sowie in das für sie vollkommen neue Geschäftsfeld des Brauens gemacht. Die beiden Studenten haben sich 2014 aus einer, im wahrsten Sinne des Wortes, Bierlaune heraus die Frage gestellt, warum es eigentlich kein Bier mehr aus Remscheid gibt. Die letzte Remscheider Brauerei Kipper wurde bereits vor etlichen Jahren geschlossen. Baran Dogan und Marc Rüger fassten deshalb bei einem Grillabend den Plan, selber Remscheider Bier zu brauen. Das notwendige Wissen haben sie sich insb. in der Unibibliothek und im Internet angeeignet. Für die beiden war nach einfacher Markt- und Gewohnheitsrecherche klar, dass in der Region Remscheid vor allem Pils mit leichter Tendenz zum rheinländischen Kölsch getrunken wird. Für ein Erfüllen dieser Kundenbedürfnisse sollte das Remscheider Bier also ein „leichtes Pils“ werden. Nach einigen Versuchen haben sie letztendlich ein für sie zufriedenstellendes Bier konzipiert. Nach vielen Wochen und Anfragen bei über 80 Privatbrauereien hat sich schließlich eine bereit erklärt, in ihren Braukesseln das Remscheid Bräu zu produzieren. Es wurden die ersten drei Paletten produziert - ohne dass die Brauerei allerdings eine Garantie für den Geschmack abgeben konnte. Aber es ging gut und das Bier schmeckte.

 

Das Produkt macht noch keine Marke!

Während Geschmack und Produkt somit definiert sind, war noch die große Frage nach der richtigen Kommunikation. Vor allem mussten Logo und Etiketten definiert werden – erst in Eigenregie, dann mit Unterstützung einer professionellen Agentur. Die für Region und Stadt charakteristischen Elemente „Löwe“ und „Müngstener Brücke“ sollten eingebunden werden, um die lokale Verbundenheit zu demonstrieren. Eine Holzkiste, anstelle von Plastikkisten, rundete die Präsentation des Remscheider Biers ab und unterstrich damit die Hochwertigkeit und den Anspruch an ein Premiumbier.

 

Premiumbier muss an Premium-Orte

Um das Remscheider Bräu gemäß seinen Eigenschaften an den Kunden zu bringen, brauchten die beiden Gründer noch adäquate Verkaufsstellen für den Verkauf der ersten Charge. Im hart umkämpften Bier- und Einzelhandel war die Platzierung zu dem Zeitpunkt allerdings erst möglich, nachdem sie einem Remscheider Supermarkt versichert hatten, dass sie nicht verkaufte Flaschen auf eigene Kosten wieder zurücknehmen würden. Die Befürchtung, dass das Bier zurückgenommen werden musste, war jedoch unbegründet. Auch durch relativ kostengünstige Social Media Aktivitäten gab es bereits nach wenigen Tagen die Fragen zur Nachlieferung.

 

Die Wettbewerbszentrale und der Investor: Pech und Glück im Unternehmerdschungel

Zur Schwierigkeit der weiteren Verfügbarkeit kam allerdings leider auch noch eine weitere negative Botschaft: Ein Konkurrent hatte mittels Wettbewerbszentrale verfügt, dass sie bis Jahresende 2014 alle Biere verkauft haben mussten. Das Bier wurde, so die Begründung, durch die externe Brauerei nicht in Remscheid produziert und durfte deshalb nicht als „Remscheider Bräu“ verkauft werden.

Als Glück stellte sich heraus, dass zeitgleich ein Investor aus Bayern Kontakt zu den beiden Gründern aufgenommen hat. Die Lindner Group wollte in Remscheid ein Hotel eröffnen. Sie schlug beiden vor, hierfür in den ehemaligen "Remscheider Hof" in der Stadtmitte zu investieren und auch eine Brauanlage zu installieren. Bedingung für den Betrieb der Brauerei durch Baran Dogan und Marc Rüger war jedoch, dass die beiden auch das zu renovierende Hotel mit 88 Zimmern managen. Sie sagten zu diesem anspruchsvollen Projekt zu und hatten damit, rückblickend, die Gründung einer eigenen Brauerei „schneller als gedacht“ umgesetzt.

 

Die aktuelle Situation: Mitten im Unternehmerdschungel

Mittlerweile haben die beiden Gründer Verantwortung für 40 Mitarbeiter. Der Vertrieb, zum Teil füllen die beiden die Flaschen noch immer selber ab, erfolgt im eigenen Brauhaus, im Einzelhandel in Remscheid und Umgebung sowie in Kürze im Online-Shop. Zudem liefert Remscheid Bräu seine Biere im eigenen Schankwagen an verschiedene Feste. Die Beiden setzen hier auf Service und liefern bei Bedarf auch noch nachts Bier nach. Nach der positiven Resonanz (Mund-zu-Mund-Propaganda) auf eine dieser Kooperationen gibt es bereits weitere Anfragen anderer Veranstalter. Schwieriger ist für sie z.Z. die Platzierung ihrer Produkte in den Gaststätten und Kneipen der Region. Aufgrund von langfristigen Verträgen sind diese potentiellen Abnehmer bereits an andere Brauereien gebunden und dürfen nur deren Produkte ausschenken.

 

Herausforderungen bei der Unternehmensgründung

Marc Rüger und Baran Dogan berichten abschließend rückblickend, dass man Gründungsideen auch mal verwerfen müsse. Eine App für Oldtimer Teile wurde von den beiden verworfen, weil die Initialkosten zu hoch gewesen wären. Auch ein Business Plan kann helfen, aber ein anderer Gründer hat ihnen geraten, "einfach mal zu starten". So gaben sie offen zu, auch diverse Fehler gemacht zu haben, schließlich waren sie komplett ohne Berufserfahrung oder Kenntnisse des Brauerei- und Hotelbetriebs.

 

Der Produktionsprozess

Im Anschluss an den spannenden Vortrag mit einer lebhaften Frage- und Diskussionsrunde hatten die Mitglieder des Marketing Clubs die Möglichkeit, in kleinen Gruppen die Produktion, Lagerung und Abfüllung von Remscheid Bräu kennenzulernen.

Gebraut wird i.d.R. einmal pro Woche durch einen externen Braumeister. Dieser produziert das Bier basierend auf den Ideen der beiden Gründer. So war es ihnen wichtig, dass sie neben den "Stammbieren", wie z.B. Pils, regelmäßig besonders spannende Monatsbiere im Angebot haben ("Bierkalender"). Jeder Brau-Prozess dauert ca. neun Stunden. Im ersten Schritt entstehen aus 1.200 l  Wasser, Hopfen und Malz etwa 1.000 l Bier. Bei der Produktion von Sonderbieren werden am Ende des Produktionsprozesses noch weitere, ungewöhnliche, Zutaten (z.B. Koriander oder Orange) hinzugegeben. In Gärtanks sorgen Hefekulturen im nächsten Schritt für die Entstehung von Alkohol. Der Prozess dauert, je nach Biersorte, zwischen vier und zehn Tage.

 

Zusammenfassung

Was bleibt also zusammenfassend von diesem interessanten und spannenden Clubabend? Die Gründungsgeschichte von Remscheid Bräu ist mit vielen Herausforderungen versehen. Aspekte des Marketings findet sich hier an vielen Stellen wieder:

  • Product: Wie entwickelt man ein (weiteres) Produkt "Bier"?
  • Price: Wie platziert man preislich ein Premium-Bier am Markt?
  • Place: Welche Verkaufs- und Vertriebsoptionen bietet sich für den Bierverkauf an (lokale Händler und Veranstaltungen in Remscheid)?
  • Promotion: Wie bewirbt man eine regionale Marke inkl. Logo (Müngstener Brücke, Löwe) und welche Promotion-Aktionen (z.B. Social Media) bieten sich für sie an?



Datum
22.06.2017

Referent
Die Referenten Baran Dogan und Marc Rüger sind geschäftsführende Gesellschafter von Remscheider Bräu GmbH. Die beiden Studenten der Wirtschaftswissenschaft kennen sich seit ihrer Schulzeit und haben im September 2015 gemeinsam die Brauerei Remscheider Bräu eröffnet.

Das Unternehmen
Remscheider Bräu ist ein noch junges Start Up. Erfahren Sie, wie die beiden Gründer, die sich seit der Schulzeit kennen, ihre Idee der Gründung einer Brauerei während eines Grillabends in die Tat umsetzten. Erfahren Sie außerdem, welche Hürden und Hindernisse sie dabei überwinden mussten und wie sie ihre Marke heute, in Konkurrenz zu großen Getränkekonzernen, positionieren und vertreiben.

Am Standort Remscheid, im Herzen der Stadt im renovierten MK Hotel (ehemals Remscheider Hof), werden z.Z. vier Biersorten produziert. Bei der Produktion des Biers und der Zubereitung der Speisen werden insb. regionale Zutaten verwendet.

Veranstaltungsort
Remscheid Bräu, Remscheid

Moderation
Nils von der Crone

Text
Nils von der Crone, Fabian Kehrenberg

Fotos
Freistil Fotografie - Anette Hammer

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