Werte im Wandel durch Digital Natives

Sehr gut gefüllt war das Foyer im Gebäude K der Bergischen Universität beim Treffen des Marketing-Clubs Bergisch Land am 21. Februar.
Erich Giese freute sich bei seiner zweiten Veranstaltung als Club-Präsident nicht nur über die - trotz heftigen Schneetreibens - große Resonanz, sondern auch über seine Rückkehr auf den Campus, auf dem er sein Studium abgeschlossen hat, und dankte Tobias Langner für die Gastfreundschaft. Der Professor für Marketing wiederum stellte den Referenten des Abends vor: Peter Wippermann, Trendforscher und Professor für Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität in Essen. Der Grund, so begann Wippermann seinen Vortrag, warum er sich seit  30 Jahren mit den Trends der Zukunft, insbesondere bei den neuen Medien beschäftige, sei einfach zu erklären. Denn als der gelernte Schriftsetzer seine Lehre beendet hatte, war sein künftiger Beruf abgeschafft.
In seinem Referat "Digital Natives verändern die Arbeitswelt" sprach Wippermann über den Strukturwandel weg von der Industriekultur mit ihren hierarchisch vorgegebenen Verbindungen hin zu einer Netzwerkökonomie, in der diese Verbindungen aufgebaut werden. Verantwortlich für diesen Wandel seien die Generationen, für die PC und Smartphone, Facebook und Twitter feste Bestandteile ihres Alltags sind, ihre Infrastruktur seien die Datenautobahnen des Internets. Und wie die Digital Natives, geboren ab 1980, dieses Internet nutzten, zeigte Wippermann an vielen Beispielen, so der Plattform für Arbeitgeberbewertungen kukunu oder der Rekrutierungsbörse poachee. Im Gegenzug ließen jedoch viele Unternehmen die Möglichkeiten ungenutzt, um sich attraktiv für Arbeitnehmer darzustellen, viele Personaler würden die Chancen der Social Media verkennen oder diese ignorieren.
Überhaupt, betonte Wippermann, müssten sich die Unternehmen in der Zukunft völlig neu aufstellen, angesichts der geänderten Ansprüche der Digital Natives. Denn diese Ansprüche gingen einher mit einem Wandel der Werte, die zwar nicht die Werte selbst in Frage stellten, sie aber völlig neu interpretierten. Freiheit werde vor allem als Unabhängigkeit von Institutionen gesehen, weniger als Individualität denn als Autonomie, selbst zu handeln und umzusetzen. Diese Autonomie müssten die Unternehmen möglich machen, Vertrauen sei dabei ein wichtiger Faktor. Familie sei nicht als Institution erstrebenswert, sondern als Wert an sich eines Gefühls von Optimismus, das auch im Unternehmen angeboten werden müsse. Auch Gemeinschaft werde vor dem Hintergrund der Internetbeziehungen und des ständigen "Always-in-touch" die Kommunkation am Arbeitsplatz verändern. Und es werde nicht genügen, den Erfolg weiterhin nur als ökonomischen Wert zu definieren.
Wie bedeutsam der von Prof. Wippermann beschriebene Wandel für die Gesellschaft ist - und ob er diese gar polarisieren könnte, wie Prof. Langner anmerkte -, zeigte die intensive Diskussion am Ende des Vortrags. Umso intensiver, da der größte Teil der Anwesenden eher den Digital Immigrants, also den vor 1980 Geborenen, angehörte.
Auf jeden Fall aber, so Präsident Giese zum Abschluss, habe auch in Zeiten des Internets ein gutes Werkzeug immer noch seinen Wert - und überreichte Wippermann den "Bergischen Hammer" zum Dank für seinen eindrucksvollen Vortrag.

Text: Peter ten Eicken

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